Wie weiter mit der Bachstraße?

Der mitlerweile fertig gestellte Graben in der Bachstraße. Oberhalb am "Backhaus- Plan" fehlt jedoch noch sämtlicher Straßenbelag und Gehweg.
Der mitlerweile fertig gestellte Graben in der Bachstraße. Oberhalb am "Backhaus- Plan" fehlt jedoch noch sämtlicher Straßenbelag und Gehweg.

Die Bachstraße ist seit einigen Monaten eine Baustelle mit einigen Problemfällen. Einige Anwohner fragen sich bereits wann das letzte Stückchen im mittleren Teil der Straße fertig gestellt wird.

Nun meldet sich der amtierende Bürgermeister Hans- Walter Möller in der aktuellen Ausgabe des Waldboten zu Wort:

 

 

 

Liebe Einwohner von Crawinkel,
eine Frage, die viele Crawinkler - insbesondere aber die Anwohner - derzeit besonders beschäftigt, ist die Frage, wie es mit der Bachstraße weiter geht? Die Baumaschinen sind erst einmal abgezogen und groß ist die Sorge, dass das derzeitige Provisorium im Bereich des Backhausplanes ein Dauerzustand bleibt. Natürlich ist die Fortführung der Baumaßnahme in der Bachstraße eines der wichtigsten Projekte und Themen im Crawinkler Gemeinderat. Zum besseren Verständnis sei an dieser Stelle noch einmal die Ausgangssituation erklärt: Die Gemeinde Crawinkel hatte sich noch unter Bürgermeister Stefan Schambach erfolgreich um die erneute Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm beworben. Mit ihren interessanten Projekten hatte sich Crawinkel gegen viele andere Bewerber durchgesetzt. Mit der offiziellen Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm hat die Gemeinde die Chance erhalten in den Jahren 2011 bis 2017 Infrastrukturmaßnahmen aus Dorferneuerungsfördermitteln bezuschusst zu bekommen. Die ideenreiche Neugestaltung der Bachstraße war eines der Hauptprojekte beim Antrag auf Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm und diese Vorstellungen einschließlich der darin enthaltenen Bachöffnung haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Crawinkel diese Fördermittelchance erhalten hat. Schrittweise wurde seither an der Realisierung der Neugestaltung der Bachstraße gearbeitet. Schon Stefan Schambach hatte diese Maßnahme wegen ihres enormen finanziellen Umfanges als Jahrhundertbaumaßnahme für Crawinkel bezeichnet. Das war eine richtige Einschätzung. In einem ersten Bauabschnitt wurde 2010 der neue Abwasserkanal im hinteren Teil der Bachstraße nebst weiterer Versorgungsleitungen verlegt. 2011 erfolgte die Verlegung des Abwasserkanals, der neuen Verrohrung für den Oberschillbach und der weiteren Versorgungsleitungen im vorderen Teil der Bachstraße. Auch der Straßenbau in diesem Bereich wurde begonnen. Im Jahr 2012 wurde die Bachstraße in ihrem vorderen Teil fertiggestellt und die Arbeiten am hinteren Teil der Bachstraße wurden weiter geführt. Aus Kostengründen wurden dabei auch die Planungen zur Bachöffnung und Bachneuverrohrung durch den Gemeinderat noch einmal verändert. Die Straßenbaumaßnahmen in diesem Bereich begannen im Herbst 2012 und wurden witterungsbedingt erst Anfang des Sommers 2013 beendet. Insgesamt gab es für die Straßengestaltung in den fertig gestellten Bereichen der Bachstraße anerkennende Worte. Mit den Baumaßnahmen konnte die Gemeinde auch das Verschwinden der lästigen oberirdischen Strom- und Telekomkabel erreichen, wodurch die Bachstraße nun ganz anders wirkt. Natürlich haben die genannten Investitionen der Gemeinde Crawinkel in den zurückliegenden Jahren viel Geld gekostet. Zusammen mit den auf die Gemeinde entfallenden und bereits beglichenen Kostenanteilen für den Abwasserkanal und den Kosten für die neue Bachverrohrung wurden von der Gemeinde für die Bachstraße bisher 1,058 Mio. Euro ausgegeben. Nur durch die finanzielle Unterstützung aus dem Dorferneuerungsprogramm war das überhaupt zu stemmen. Es wurden für diese Baumaßnahmen bisher Dorferneuerungsfördermittel in Höhe von 395.000 Euro zugesagt, von denen 295.000 Euro bereits ausgezahlt worden sind. Erschwert wurde die finanzielle Situation der Gemeinde in den zurückliegenden zwei Jahren dadurch, dass das Land seine Zuweisungen an alle Kommunen weiter reduziert hat, woraufhin der Landkreis Gotha zudem gezwungen war, die Kreisumlage zu erhöhen.
Konnte die Gemeinde Crawinkel trotz vieler Investitionen im Ort ihre Verschuldung seit dem Jahr 1999 von 1,4 Mio. Euro auf 916.000 Euro am Jahresende 2011 abbauen, so war im Jahr 2012 auf Grund der geplanten Investitionen eine Kreditaufnahme in Höhe von 539.000 Euro notwendig. Am Jahresende 2012 betrug die Verschuldung unseres Ortes schließlich 1,384 Mio. Euro. Das sind 886 Euro je Einwohner, womit die Verschuldung Crawinkels noch unter der durchschnittlichen Verschuldung der Kommunen im Landkreis Gotha in Höhe von 961 Euro (Stichtag 31.12.2011) liegt. Für zukünftige Investitionen scheiden weitere Kreditaufnahmen erst einmal aus, damit sich Crawinkel am Ende nicht übernimmt. Allerdings darf bei der Bewertung der aktuellen Schulden Crawinkels nicht vergessen werden, welche wichtigen für Jahrzehnte wirkende Investitionen damit getätigt wurden. Kläranlage, Kindergartenanbau und Neugestaltung des Kita-Außengeländes, Riedwegsanierung und die geschilderten Investitionen in der Bachstraße stehen dafür. Viele weitere Investitionen konnten in den 10 Jahren davor getätigt werden und prägen heute die Ortsansicht von Crawinkel.
Wie soll es nun weiter gehen mit der Baumaßnahme Bachstraße? Um die spätere Beitragsbelastung für die Bürger möglichst gering zu halten und trotzdem eine auch touristischen Ansprüchen genügende Straßengestaltung hinzubekommen, hat unser ehemaliger Bürgermeister Onno Eckert in den zurückliegenden Jahren versucht für den gesamten Verlauf der Bachstraße Dorferneuerungsfördermittel zu erhalten. Allerdings war der Fördermittelrahmen des Amtes für Landentwicklung und Flurneuordnung dafür zu gering. Deshalb mussten anstelle der vorgesehenen zwei Bauabschnitte schließlich drei Bauabschnitte gebildet werden. Für den in diesem Jahr fertiggestellten Bauabschnitt der hinteren Bachstraße hat die Gemeinde eine Fördermittelzusage in Höhe von insgesamt 210.000 Euro erhalten. Obwohl die Baukosten bereits entstanden sind, wird ein Fördermittelanteil von 100.000 Euro aber erst im Jahr 2014 ausgezahlt, weil das Flurneuordnungsamt für 2013 keine Mittel mehr zur Verfügung hatte. Die Gemeinde muss diese Mittel also mehr als ein Jahr lang vorfinanzieren. Derzeit bemühe ich mich um Aussagen des Amtes für Landentwicklung und Flurneuordnung zum zukünftigen Fördermittelrahmen für die Fertigstellung der Bachstraße. Einen Beratungstermin mit Frau Haupt vom ALF haben Frau Burandt vom Bauamt der erfüllenden Gemeinde sowie Stefan Schambach und ich am 18. September 2013. Ziel ist es im kommenden Jahr mindestens die Fahrbahn lückenlos herzustellen, damit die Bachstraße wieder gut befahren werden kann. Ich weiß um die Probleme, die sich aus dem derzeitigen Straßenzustand für einige besonders betroffene Anwohner ergeben und versichere, dass die Gemeinde und der Gemeinderat an einer Lösung dafür arbeiten. Ich bitte aber um Verständnis, dass angesichts der geschilderten finanziellen Situation kein teures Provisorium als Zwischenlösung gewählt werden konnte. Für die Berechnung der zukünftigen Anwohnerbeiträge muss der Gemeinderat zudem noch die Widmung der Straße beschließen und die Abrechnungsabschnitte festlegen. Zu den bisher durchgeführten Maßnahmen halte ich engen Kontakt mit der Anwohnerin Erika Schambach. Ich werde auch den neu gewählten Bürgermeister für diese Problematik sensibilisieren. Jetzt müssen die Formalitäten angegangen werden, um im nächsten Jahr bauen zu können. Auch appelliere ich im Interesse der Anwohner an die Vernunft und die Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer, die diesen Streckenabschnitt benutzen. Das Aufstellen der Hinweisschilder hat zur Zeit noch nicht viel gebracht. Also bitte Schritt fahren!!!
Liebe Einwohner von Crawinkel,
für viele Bürger unseres Ortes ist der heutige Anblick von Crawinkel mit seinen vielen sanierten Straßen zur Normalität geworden und man kann sich nicht mehr an das Bild von vor einigen Jahren erinnern. Ein Großteil der Straßen befindet sich in einem guten bis sehr guten Zustand. Das ist das Ergebnis der intensiven Arbeit der Bürgermeister und des Gemeinderates im zurückliegenden Jahrzehnt. In Zukunft gilt es, die restlichen Straßen des Ortes noch auf Vordermann zu bringen. Ich hoffe, ich konnte mit diesem Artikel zum Verständnis im Hinblick auf den weiteren Werdegang in der Bachstraße beitragen. Sollten noch Unklarheiten existieren, stehe ich ihnen jederzeit für Rückfragen zur Verfügung.
Hans-Walter Möller
amtierender Bürgermeister

 

Quelle: Thüringer Waldbote Ausgabe 35/13 (Donnerstag, 29.08.2013)

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